Illustration – Ja oder Nein?

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Ich liebe die Illustration, doch dauerte es fast Jahrzehnte bis ich mich entgültig entschieden hatte, als Illustratorin zu arbeiten. So erzähle ich Euch heute, wie es dazu kam.

Wie es so viele von sich sagen, zeichne auch ich schon seit Kindheitstagen. Mein Vater war einst Bühnenmaler und begeisterter Künstler gewesen und zeigte mir als strenger Lehrer wie man akademisch zeichnet und malt. Meine Schulen, die ich bis zum Abitur besuchte, hatten alle eine künstlerische Ausrichtung. Das festigte meine Überzeugung einen künstlerischen Beruf in Zukunft ausüben zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete ich fast täglich. Die Bilder wurden immer größer und komplexer und meine Motivation wurde dadurch immer kleiner. Der Anspruch an Perfektion stellte mir zunehmend ein Bein. Mit meinen großen Bildern zog ich dann von München nach Berlin, um mich zweimal an der Hochschule der Künste für Malerei zu bewerben. Doch die Hochschule wies mich beide Male ab mit der maschinell erstellten Begründung, dass es mir an Talent und Phantasie fehle. Auch wenn es ein Standardbrief war, riß mich dies so weit in die Tiefe, dass ich knapp 10 Jahre nicht mehr zeichnen konnte. 

In der Zwischenzeit bewarb ich mich zum Studium für Kommunikationsdesign in Potsdam und wählte die Schwerpunkte Animation und Interaktive Anwendungen. Ich brachte mir sämtliche Programme von Adobe bei, lernte mich in HTML und CSS ein und arbeitete sowohl am PC als auch am MAC. Während des Studiums arbeitet ich als Grafik und Interface Designerin.

Dann lernte ich meinen Mann kennen. Ein Mensch, der dauernd in seinem Skizzenbuch zeichnete. Das imponierte mir sehr. In der Hochschule gab es den Kurs Illustration. Ich tänzelte einige Zeit um ihn herum, bis ich mich entschied, den Kurs schließlich zu besuchen. Da ich aber noch eine viel zu komplizierte, verkopfte Herangehensweise hatte, brach ich den Kurs unzufrieden ab. Daraufhin konzentrierte ich mich auf die Photographie. Sie bereitete mir sehr viel Freude, denn ich schuf endlich wieder Bilder. 

Viele Photographien später fasste ich den Entschluss den Illustrationskurs doch nochmal zu besuchen und das war dann der finale Befreiungsschlag. Ich besuchte den Kurs 3 Semester hintereinander und zeichnete zum Abschluss, zur Diplomarbeit, eine 336-Seitige Graphic Novel. Kurz nach meinem Abschluss wurde ich schwanger und zeichnete weiter. Mit der Geburt des Kindes meldeten sich wieder meine Zweifel: kann man mit Illustration genug Geld verdienen, um eine Familie zu versorgen? Ich entschied mich gegen die Illustration und fing wieder an als freie Grafikdesignerin zu arbeiten. Das war mir aber noch nicht sicher genug, so dass es mich in eine Festanstellung trieb, um Karriere in einem Unternehmen als Interface Designerin zu machen. 

Nach drei Jahren in dem Unternehmen stellte ich fest, dass ich als Bereichsleitung nicht glücklich werde und ich das Zeichnen so schrecklich vermisse. Ich informierte mich bei Illustratoren, im Internet, besuchte den Coaching-Kurs von Johanna Fritz* und kündigte meinen Job, um mich endlich als Illustratorin selbständig zu machen. Jetzt habe ich das Gefühl, das absolut Richtige zu machen. Ich fühle mich selbstbewusst und bereit, mich dem Beruf mit seinen Herausforderungen und Freuden zu stellen. Das Schönste daran ist, dass mein Mann und ich wieder mehr zusammen sein und zusammen arbeiten können, denn er ist mittlerweile ebenfalls selbständiger Illustrator geworden :-)

Ich hoffe, Euch hat der Einblick in mein Leben gefallen und ich verabschiede mich bis in zwei Wochen, da meine Familie und ich in den Urlaub fahren.
Liebe Grüße, Eure Dorothea

* Wenn Euch das interessiert, schaut doch mal bei Johanna vorbei: https://byjohannafritz.de