23 Kinder und ein Klemmbrett

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„Arbeiten mit Grundschulkindern? Oh weh!“ dache ich mir. „Das habe ich doch nie gemacht. Eigne ich mich dafür? Kann ich ihnen überhaupt etwas vermitteln? Nehmen sie mich ernst?“

Als Dozentin für Workshops in Firmen und an der Hochschule hatte ich bereits mit Erwachsenen gearbeitet. Und das fiel mir leicht, denn die Personen, die an den Vorlesungen teilgenommen hatten, kamen ja freiwillig und wollten gezielt etwas von mir wissen und lernen. Aber Kinder? Spreche ich überhaupt ihre Sprache? Na gut, ich habe ein Kind und ich spiele gerne nachmittags noch mit den Kita-Kindern Wettrennen, Lego bauen und Geschichten ausdenken. Aber Schulkinder sind doch ganz anders, oder?

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So stand ich am Dienstag Morgen in der Aula der Grundschule in Kreuzberg bewaffnet mit meinem Klemmbrett, meinen Buntstiften und losen Papierblättern und stellte mich den 23 Kindern vor. Nun war mein Glück, dass ich bei dem ersten Treffen die Kinder nur beim Arbeiten porträtieren sollte. So konnte ich mich erstmal ein wenig hinter meinem Klemmbrett verstecken und die Kinder beobachten.

Kurze Zeit später war ich aber nicht mehr alleine in meiner Beobachtung und einzelne Kinder kamen neugierig auf mich zu, um zu sehen, was ich da eigentlich mache. Schnell war ich in diverse Gespräche verwickelt. Die Kinder fragten mich, ob ich sie oder ihn auch bitte ja porträtiere. So war mein Ansporn gewachsen auch ja jedes der 23 Kinder, in den zwei Stunden die mir zur Verfügung standen, zu zeichnen. Und so konnte ich auch die Kinder in ganz natürlichen Posen erfassen.

 

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Zwischendrin fragte mich ein Junge, ob ich gerne zeichne und ob ich gut im Kunstunterricht war. Ich fragte ihn, ob er denn gerne zeichne, er verneinte und sagte, er male aber sehr gerne. Das finde ich große Klasse, dass ein Viertklässler das klar zu unterscheiden weiss.

Natürlich sind Kinder auch harte Kritiker: „Das ist doch nicht Jakob!“ oder „Der Arm ist doch falsch gezeichnet!“. Aber das war wichtig für mich zu sehen, dass die Kinder einen hohen Anspruch an eine Zeichnung haben.

Zum Schluss umkreiste mich dann nochmal eine große Gruppe Kinder und sie erklärten mir, wie die einzelnen Personen auf den Bildern heißen und buchstabierten mir fleißig die Namen.

 

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In der Nacht vor dem zweiten Treffen konnte ich nur schlecht einschlafen bis ich mich entschied eine positive Haltung einzunehmen. Denn am nächsten Morgen sollte ich nun den Workshop mit den Kindern halten, indem es darum ging Klänge zu visualisieren. Die Kunstlehrerin der Schule ist eine fantastische Frau und sie unterstützte mich hervorragend. Sie organisierte das Material und die Augenbinden, damit sich die Kinder mit geschlossenen Augen nur auf die Geräusche konzentrieren konnten. Die Kinder zeichneten wie wild darauf los und mit jedem Klang wurden sie nur noch freier und lockerer. Eine Klangspur bereitete einigen Angst und sie so zeichneten sie Geister vor denen sie sich fürchten. Nachdem alle Geräusche visualisiert waren, waren die Kinder so aufgeladen mit zeichnerischer Energie, dass sie eine Zeit zum freien Zeichnen forderten.Die gab ich ihnen natürlich und es ist unbeschreiblich, was dabei herauskam: die Phantasie floss so ungehindert auf das Papier. 

 

 

Abschließend war ich regelrecht wehmütig, dass ich die Kinder wohl nicht mehr sehen werde. Denn in diesen  Stunden hatte ich doch einige in mein Herz geschlossen. Ich hoffe, ich bekomme bald wieder die Gelegenheit mit Kindern zusammenzuarbeiten. 

Ich hoffe, Euch hat mein Einblick in eines meiner aktuellen Projekte gefallen.

Liebe Grüße, 
Eure Dorothea

 

PS: die Illus, die ich hier zeige, sind nur schnelle Interpretationen der Originalarbeiten. Die Originale darf ich erst zum Ende des Projekts veröffentlichen.

Illustration – Ja oder Nein?

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Ich liebe die Illustration, doch dauerte es fast Jahrzehnte bis ich mich entgültig entschieden hatte, als Illustratorin zu arbeiten. So erzähle ich Euch heute, wie es dazu kam.

Wie es so viele von sich sagen, zeichne auch ich schon seit Kindheitstagen. Mein Vater war einst Bühnenmaler und begeisterter Künstler gewesen und zeigte mir als strenger Lehrer wie man akademisch zeichnet und malt. Meine Schulen, die ich bis zum Abitur besuchte, hatten alle eine künstlerische Ausrichtung. Das festigte meine Überzeugung einen künstlerischen Beruf in Zukunft ausüben zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete ich fast täglich. Die Bilder wurden immer größer und komplexer und meine Motivation wurde dadurch immer kleiner. Der Anspruch an Perfektion stellte mir zunehmend ein Bein. Mit meinen großen Bildern zog ich dann von München nach Berlin, um mich zweimal an der Hochschule der Künste für Malerei zu bewerben. Doch die Hochschule wies mich beide Male ab mit der maschinell erstellten Begründung, dass es mir an Talent und Phantasie fehle. Auch wenn es ein Standardbrief war, riß mich dies so weit in die Tiefe, dass ich knapp 10 Jahre nicht mehr zeichnen konnte. 

In der Zwischenzeit bewarb ich mich zum Studium für Kommunikationsdesign in Potsdam und wählte die Schwerpunkte Animation und Interaktive Anwendungen. Ich brachte mir sämtliche Programme von Adobe bei, lernte mich in HTML und CSS ein und arbeitete sowohl am PC als auch am MAC. Während des Studiums arbeitet ich als Grafik und Interface Designerin.

Dann lernte ich meinen Mann kennen. Ein Mensch, der dauernd in seinem Skizzenbuch zeichnete. Das imponierte mir sehr. In der Hochschule gab es den Kurs Illustration. Ich tänzelte einige Zeit um ihn herum, bis ich mich entschied, den Kurs schließlich zu besuchen. Da ich aber noch eine viel zu komplizierte, verkopfte Herangehensweise hatte, brach ich den Kurs unzufrieden ab. Daraufhin konzentrierte ich mich auf die Photographie. Sie bereitete mir sehr viel Freude, denn ich schuf endlich wieder Bilder. 

Viele Photographien später fasste ich den Entschluss den Illustrationskurs doch nochmal zu besuchen und das war dann der finale Befreiungsschlag. Ich besuchte den Kurs 3 Semester hintereinander und zeichnete zum Abschluss, zur Diplomarbeit, eine 336-Seitige Graphic Novel. Kurz nach meinem Abschluss wurde ich schwanger und zeichnete weiter. Mit der Geburt des Kindes meldeten sich wieder meine Zweifel: kann man mit Illustration genug Geld verdienen, um eine Familie zu versorgen? Ich entschied mich gegen die Illustration und fing wieder an als freie Grafikdesignerin zu arbeiten. Das war mir aber noch nicht sicher genug, so dass es mich in eine Festanstellung trieb, um Karriere in einem Unternehmen als Interface Designerin zu machen. 

Nach drei Jahren in dem Unternehmen stellte ich fest, dass ich als Bereichsleitung nicht glücklich werde und ich das Zeichnen so schrecklich vermisse. Ich informierte mich bei Illustratoren, im Internet, besuchte den Coaching-Kurs von Johanna Fritz* und kündigte meinen Job, um mich endlich als Illustratorin selbständig zu machen. Jetzt habe ich das Gefühl, das absolut Richtige zu machen. Ich fühle mich selbstbewusst und bereit, mich dem Beruf mit seinen Herausforderungen und Freuden zu stellen. Das Schönste daran ist, dass mein Mann und ich wieder mehr zusammen sein und zusammen arbeiten können, denn er ist mittlerweile ebenfalls selbständiger Illustrator geworden :-)

Ich hoffe, Euch hat der Einblick in mein Leben gefallen und ich verabschiede mich bis in zwei Wochen, da meine Familie und ich in den Urlaub fahren.
Liebe Grüße, Eure Dorothea

* Wenn Euch das interessiert, schaut doch mal bei Johanna vorbei: https://byjohannafritz.de